Jul 28

Aufschieben auf Neudeutsch Prokrastination gilt allenthalben als etwas Negatives. Zeitmanagementgurus, die diversen Internetquellen überschlagen sich geradezu im Verteufeln des Aufschiebens und in der Anbetung des Götzen „Produktivität“. Das ist eine ziemlich einseitige und verbissene Sichtweise. Jeder schiebt irgendwann irgendetwas auf. Das kann falsch, in manchen Fällen aber auch richtig sein. Es ist die Dosis die das Gift ausmacht.Bevor wir uns dem Aufschieben selbst zuwenden, sollten wir erst einmal die Menschen die Menschen ansehen die dieser Angewohnheit unterliegen. Genau Aufschieben ist eine Gewohnheit und kein Schicksal. Im übrigen wird im Rahmen dieses Artikels der Begriff Prokrastination keine Verwendung mehr finden, da ich der Auffassung bin dass es sich hier um ein aufgeblasenes Modewort und eine schlechte Übersetzung aus dem Englischen handelt (ich selbst habe eine anglophile Ader..). Zurück zum Thema.

Es gibt 5 Typen von Aufschiebern:

Der Bequeme:
Plan bzw. Vorsatz hin oder her, jetzt hat er gerade keine Lust. Es gibt immer einen Grund die –Aufgabe nicht zu erledigen. Klartext, er kriegt einfach den Hintern nicht hoch. Ohne Zwang geht gar nichts.

Der Last Minute Mensch:
Alles auf den letzten Drücker. Er braucht den Stress und den Kick. Das Motto lautet „ unter Druck bin ich besonders gut“. Auch er braucht den Zwang.

Der Verplante
Er ist ein Chaot und nicht in der Lage voraus zu denken und strukturiert zu handeln. Sein Handeln ist durch einen gravierenden Mangel an Struktur, Planung und Disziplin geprägt. Wer sich auf ihn verlässt der ist verlassen.

Der Ängstliche
Er fürchtet sich vor dem Versagen genauso wie vor dem Erfolg. Damit er vor sich und den anderen das Gesicht wahren kann, hat er die Ausrede zur Kunstform gekürt. Er ist der Meister der Ausreden. Immer gibt es triftige Gründe warum er sich der Aufgabe nicht widmen kann.

Der Smarte
Er verfügt über ein gutes Zeitmanagement und setzt im Gegensatz zu den anderen Typen klare Prioritäten. Das gestattet ihm sich den wechselnden Gegebenheiten des Lebens anzupassen. Er hat zwar eine gute Planung kann aber zwischen den „Muss sein“-Aufgaben und den „Nicht so wichtig“-Aufgaben unterscheiden. Dieser Ansatz ist die Oberliga. Die gute Nachricht das ist erlernbar.

So weit zu den verschiedenen Typen die im wirklichen Leben, auch in Mischformen anzutreffen sind. Versuchen wir uns nun im nächsten Schritt mal an einem kleinen Sakrileg. Aufschieben ist an und für sich nicht immer schlecht es gibt zuweilen auch gute Gründe für das Aufschieben, und Produktivität um der Produktivität willen ist auch nicht immer erstrebenswert. Ein voller Terminkalender und viele Häkchen auf deiner To Do-List sind kein Beweis für ein glückliches oder erfülltes Leben. Klare Aussage, nicht für jede Form des Aufschiebens ist sinnvoll. Im wahren Leben gibt es jedoch viele Dinge die sich im Laufe der Zeit von selbst erledigen. Es ist auch sinnvoll nach „wichtig“ und „dringlich“ zu unterscheiden. Hierzu mal eine ganz andere Definition:

Wichtig =
wichtig für dich (!). Das heißt Aktivitäten die dir und deinem Leben einen Mehrwert bringen, bzw. die zur Erreichung deiner Ziele notwendig sind. Wenn du keine Ziele hast, dann bleibt dir ohnehin nur nach der Pfeife anderer zu tanzen.
=> die richtigen Dinge tun

Dringlich= etwas das andere von dir zu wollen.
=> die Dinge richtig tun.

Zwischen diesen beiden Polen bewegen wir uns täglich. Es gibt kein Patentrezept wie du die richtige Balance zwischen den beiden findest. Und um die geht es nämlich. Jedoch gibt es eine gute Faustformel die häufig zutrifft: Erledige so weit möglich erst das Wichtige, dann das Dringliche.

Im Alltag heißt das, dass du so weit möglich vormittags zuerst die wichtigen Aufgaben erledigst. Lege 1 bis 2 wichtige Aufgaben pro Tag fest. Denen widmest du dich zuerst. Dann kommen die e-Mails und sonstigen Aktivitäten. Das Leben ist eine sehr dynamische Angelegenheit, da geht es nicht so starr zu wie in den Zeit- und Selbstmanagementhandbüchern. Wenn du morgens einen Termin bei deinem Chef hast oder auf ein Meeting must, wird dir nichts anderes übrig bleiben als Kompromisse zu machen. Anderes Beispiel: du willst mit dem Auto einen Ausflug mach, bemerkst jedoch einen Defekt an den Bremsen. Also wirst du dich ungeachtet deines Plans oder Termins wohl oder übel zur Werkstatt begeben müssen. Du bist auch nicht jeden Tag gleich gut in Form, manchmal geht eben nicht so viel an einem Tag. Das ist aber auch nicht tragisch, was zählt ist die große Linie, das ist die Woche, der Monat, das Jahr. Wichtiges solltest du so wenig wie möglich verschieben. Bei den Prioritäten anderer lohnt sich eine kritische Betrachtung. Hier ist durchaus die Frage angebracht wann was wirklich erledigt sein muss und ob du es überhaupt erledigen musst.

Richtiges Aufschieben ist ein legitimes und sinnvolles Instrument des Selbstmanagements, jedoch kein Freibrief für Faulheit und Schludrigkeit. Unerledigte Dinge und vor allem wichtige unerledigte Dinge stressen dich enorm. Erledigtes kann dich nicht mehr stressen. Eine aufgeblähte ToDo-Liste und das sture und verbissene Abarbeiten von Aktivitäten sind per se auch keine Lösung. In der Balance liegt die Kunst.

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