Übertriebenes Aufschieben ist kein Charaktermangel oder ähnliches sondern nur ein erlerntes Verhalten. Ein Verhalten, das grundsätzlich ok ist und manchmal sogar Vorteile hat. Zumeist jedoch bringt dieses Verhaltensmuster erhebliche Nachteile mit sich, nämlich vermeidbaren Stress, mangelende Produktivität, Minderwertigkeitsgefühle und nicht zuletzt Frust. Im Artikel „Aufschieben aber Richtig“ wurde dargestellt, dass Aufschieben an sichn in einem gewissen Rahmen durchaus normal ist. Jeder schiebt irgendwann irgendetwas vor sich her und hat mal keine Lust. Also kein Grund zur Sorge, es geht nicht darum nichts mehr aufzuschieben, sondern lediglich darum das richtige Maß zu finden.Keinesfalls geht es darum „Produktivität“ was immer der Einzelne darunter verstehen mag, um ihrer selbst Willen zu steigern, damit würdest du lediglich dein „Laufverhalten im Hamsterrad“ optimieren, aber keine Verbesserung deiner Lebensqualität und deines Erfolgspotentials erreichen. Die gute Nachricht lautet, ein erlerntes Verhalten wie das überzogene Aufschieben (ich verwende dieses modische „Pro…“-Wort bewusst nicht…) ist sozusagen eine Art „Verhaltenssoftware“, und die kann man auch schrittweise, mit einfachen Schritten umprogrammieren und auf ein vernünftiges Maß reduzieren. Das kann jeder schaffen, das ist kein Hexenwerk und dabei bedarf es auch keiner übermenschlichen Anstrengung oder ähnlichem. Erforderlich ist nur die richtige und konsequente Vorgehensweise. Das reicht aus, mehr ist nicht nötig, bringt aber enorm viele Vorteile.
Wie geht das nun konkret?
Nun, wie üblich schrittweise. Es hat Zeit gedauert dieses Verhaltensmuster zu „erlernen“ und es wird auch Zeit dauern deinen Geist umzugewöhnen. Nachstehend findest du eine Liste von einzelnen Maßnahmen die du entsprechend deiner individuellen Lebensumstände schrittweise ergreifen kannst, damit du nach und nach das Aufschieben auf ein vernünftiges Maß reduzierst.
- Ändere deine geistige Startposition.
Frage dich nicht wie du das schaffen sollst sondern fange mit kleinen ganz banalen Dingen an, sozusagen zu warm werden. Den Anfang zu machen ist das schwerste, wenn du erst mal praktisch loslegst wird es von Woche zu Woche einfacher. - Werde dir über die Ursachen deines Aufschiebens im Klaren. Was genau hindert dich daran gewisse Dinge zu erledigen? Hinter „keine Lust“ & Co.“, stecken oftmals versteckte Bremser wie Ängste, Überlastung, Perfektionismus, Langeweile, Widerwillen etc. Diese Ursachenforschung hilft dir nicht nur beim reduzieren des Aufschiebens. Möglicherweise gibt dir hier die Analyse wichtige Hinweise für die Korrektur deiner Ziele und Prioritäten. Dieses Hinterfragen lohnt sich immer. Mach das mehrmals und schreibe dir deine Erkenntnisse auf.
- Starte innerhalb der nächsten 3 Tage mit deinem Vorhaben.
Sonst wird das nichts. Vorsätze wie „ab 1. Januar höre ich mit dem Aufschieben auf“ sind witzlos und zum Scheitern verurteilt. - Habe klare Ziele und setze eindeutige Prioritäten.
Konzentriere dich auf das was wirklich wichtig für dich ist. Unterschiede zwischen termingebundenen Aktivitäten und solchen deren Erledigung noch Zeit hat. Nutze diesen Vorteil um das Erledigen zu entzerren. - Plane eine (!) zu erledigende Aktivität pro Tag schriftlich (!) ein.
Das ist „die wichtigste Aufgabe (DWA)“. Die erledigst du soweit irgend möglich vormittags. Wohlbemerkt es geht nicht um wollen sondern um das tun. Du ziehst das durch! Damit erledigst du 7 Dinge pro Woche, wenn du dich daran gewöhnt hast, dann steigerst du das langsam auf zwei und dann auf maximal 3 Aufgaben pro Tag. Mehr ist in den meisten Fällen ohnehin unrealistisch und auch nicht nötig. - Plane hinreichende Zeitfenster für Freizeitaktivitäten, Erholung, Spaß und Fitness ein.
Das Leben besteht nicht nur aus Arbeit und dem Abarbeiten von To Do-Listen. - Unterteile die „alles erschlagende Aufgabe“ kleine „verdauliche“ Teilschritte.
Das kann ein Telefonat, eine Notiz oder ähnliches sein, Hauptsache du fängst konkret an daran zu arbeiten. - Mach dir die Auswirkungen des Aufschiebens bei jeder Aufgabe klar.
Stelle dir jedesmal die beim Priorisieren, die Frage: „Was passiert schreckliches wenn ich das jetzt nicht erledige?“ Verdeutliche dir die kurz- und langfristige Auswirkung auf deinen Ruf, deine Finanzen, deine Ziele, dein Wohlbefinden, dein Erfolgspotential und die Qualität der Beziehungen zu deinen Mitmenschen. Das hilft dir beim Unterscheiden des Wesentlichen vom Unwesentlichen. - Sei bescheiden und übertreibe es nicht.
So lobenswert dein Wunsch auch ist, die Aufschieberitis zu bändigen, lass dich dabei nicht von To Do-Listen und überzogenen Ansprüchen tyrannisieren. Jeden Tag ein wenig, aber das konstant bringt mehr als irgendwelche „Hau-Ruck-Aktionen“. Du willst im Grunde möglichst viel wichtiges (!) mit möglichst wenig Aufwand schaffen. Damit verhinderst du, dass du in die „Burn out-Falle“ gerätst (s. hierzu auch die Artikel zur „Burn Out“-Vermeidung in diesem Blog). - Definiere einen klaren Zeitrahmen für die Aufgabe.
Jede Aufgabe hat die unschöne Tendenz so viel Zeit zu benötigen wie du ihr zubilligst. Wenn du dir 6 Stunden Zeit gibst wirst du auch 6 Stunden b rauchen, wenn du dir ein Limit von 4 Stunden setzt wirst du es zumeist auch in diesem Zeitrahmen schaffen.
Es reicht wenn du die obigen Maßnahmen und Ansätze hinreichend genau und konsequent einsetzt. Perfektion oder gar Verbissenheit ist dabei weder nötig noch hilfreich. Beginne in den nächsten 3 Tagen mit der Umsetzung und überführe diese neuen Verhaltensmuster allmählich in die alltägliche Normalität. Wende diese Verfahren erst bei kleinen und einfachen Aufgaben an und taste dich langsam an größere und komplexere Aufgaben heran. Wenn du das zu 80 % umsetzt hast du schon sehr viel erreicht. Geh langsam aber stetig vor. Handle getreu dem Leitsatz: „Besser mit 80% an einer guten Sache beteiligt, als mit 100% an nichts“.
Tags:Aufscheiben, Durchhaltevermögen, Eigenverantwortung, Herausforderungen meistern, Leben verändern, Lebensqualität, mehr schaffen, Persönliche Erfolgsstrategie, Perspektive, Planung, Prioritäten, Probleme lösen, Prokrastination, Schwierigkeiten bewältigen, Selbstmanagement, Stress reduzieren, Zeitmanagement